ein neues Nachher pt.A

Ich habe nie gelernt stehen zu bleiben, weil ich mich nie bewegt habe. Wie ein Krokodil lag ich in einer deliziösen Hühnersuppe, die meine Mama gekocht hat und depressierte über mein unereignissreiches Leben.Weiterlesen »

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so viele – einzelne – Problemuniversen

Mittwochnacht:

Ich sage mir, ich muss diese Gedanken aufschreiben, die hab ich nie wieder.

Aber es ist so viel, so ungeordnet. Ich muss so viel entscheiden. Es ist gar nicht so viel, du lügst! aber so unsortiert. Ich sollte aufhören zu lügen. Das war doch schonmal weniger. Ich bin wirkliche kein ordentlicher Mensch, aber es ist alles so… es ist so durcheinander. Die Dinge, die ich tun muss stehen in keiner Beziehung zueinander. Sie sind alle wichtig und alle in komplett unterschiedlichen Universen.
In jedem gelten andere Regeln und ich muss mich überall anders verhalten.
Alle verlangen ein anderes ich.

Ich sage mir, schreib doch darüber! Vielleicht rückt sich dann alles zurecht.

Aber dafür ist doch keine Zeit! Ich muss doch noch mindestens zwei Kliniken anrufen und entscheiden, wo ich am Donnerstag um 17 Uhr bin und meiner Schwester beistehen und einkaufen und die Abstände dazwischen überwältigen soll ich mein Fahrrad mitnehmen? und ich muss doch immer wieder zwischendurch atmen, sonst bin ich später nicht entspannt genug für die Fahrschule und außerdem will ich mich nicht stressen lassen, von so einfachen Sachen. Und Hausaufgaben. Vor Donnerstag. Und den Text fertig machen. Vor Donnerstag. Und noch was…- irgendwas mit Herz-… für die Schule schreiben. Ich brauche diese eins auf dem Zeugnis. Aber erstmal Donnerstag. Nein, erstmal morgen… Mittwoch?

Und vielleicht sollte ich mal anfangen die Wahrheit zu erzählen.
Aber…. ich …. aber..
Ich habe Angst.

Ich traue mich nicht. Ich bin nicht mutig genug zu sagen, …
Sie würden mich nicht verstoßen.
Sie würden mir aber auch nicht glauben, dass ich es allein geschafft habe.
Sie würden versuchen, mir zu helfen, das würde einen Rückfall begünstigen.

Am einfachsten wäre es, sie würden mit einem -ich weiß?! Das war doch offensichtlich- antworten.

 

Aber das werden sie nicht.

Sie wissen es nicht, ich bin zu gut im Lügen. Seit drei Jahren.

Ich will meine Mutter nicht zum Weinen bringen. Nicht meinen Vater. Nicht meine Schwestern. nein,

ich habe keine Rechtfertigung. Ich habe keinen Grund. Ich habe nur Angst und Unsicherheit und zu viel in meinem Kopf.
Ein Wunder, dass ich nicht wieder anfange. Doch das werde ich nicht!

Ich werde nicht wieder anfangen.
Schreien und Blutfarbe an die Wand spladdern und boxen und reißen und beißen. Das ist okay.

Aber nicht

ritzen.

VERDAMMT SPRICH ES AUS!

 

Ich muss das mit jemandem Durchsprechen, aber alle die davon wissen- kann ich nicht damit belasten. Es ist alles so unwichtig. Alles so unnötig. Alles son Kleinscheiß. Überschattet von diesen Linien.
Und ich will Käfer nicht noch mehr aufbürden, als er sowieso schon trägt.

Das ist der falsche Ansatz, oder? Menschen, die einem wichtig sind, schützen zu wollen, indem man ihnen nicht von den eigenen Problemen erzählt… Indem man sie belügt.

Ich muss das mit jemandem durchsprechen.
Wenn ich Zeit habe.