(sinn-)freiheit

Sinnfreiheit

 

Kreativität ist gefragt im Zopfkopf

doch der Denkapparat

ist ausgefragt

er denkt. Und lenkt die Gehirnströme

in unbekanntere Gefilde

denn auch wenn er hört

„die Wilde Hilde salbt meine Beine“

so assoziiert der Neuronenparkplatz

Grabsteine -in der Sonne glitzernd_

und unglaublich sinnfreie Zellenzeilen


 

ein Gedicht von früher.

Zwischenzeit

Zwischenzeit
Zwischen Zeitpunkten
sitz ich allein am Rand des periphäen Bewusstseins
Ich sitze hier und warte
darauf dass die Zeit vergeht.

Ich warte auf die Bahn.
Ich warte auf den Wind.
Ich warte auf den Spaß.
Ich warte auf den nächsten
Zeitpunkt.

Und in der Zwischenzeit?
In der Zwischenzeit sehe ich die Welt am Rand des Seins
vorbeiziehen.
In der Zeit zwischen der Zeit, was tu ich?
Zwischen den Punkten geh ich punkten.
Ich mach mir Freunde
und Welten in meinem Kopf. sortiere, archiviere, verwüste sie wieder.
Ich schrei in die Welt, dass mir langweilig ist.
Frag jeden, den ich kenne, wo er grad ist.
Ich käpfe verbittert darum, mehr Zeitpunkte zu aquirieren
und die wertlose Zeit in der nichts passiert zu minimieren!
Zwischenzeitlich versinke ich in Geschichten, die nicht meiner eigenen Endsprechen, die mir gefallen und vom Licht ins dunkel bringen berichten.
Ich warte auf den passenden Augenblick, auf das richtige Jetzt, auf den Augen-Blick.

Doch er kommt nicht.
sicher, ich hab nen Knick in der Optik, denn jetzt müsste es doch mal so langsam losgehen mit dem Spass. Und all den auf deiner Timeline aufgereihten Zeitpunkten.
Doch all die Versprechen sind im Eifer des Zeitgefächts vergessen und ich bemerke nicht, wie mir seitlich der Sinn wegrutscht, und er für immer verloren geht.

Was mache ich in der Zwischenzeit?
Ich muss sie nutzen.
muss sie ausfüllen
ich muss leben
weil meine Zeit knapp wird!
und weil ich Angst habe unterzugehen.

Jetzt ist der Ball ins Rollen gekommen und ich bleibe erstmal nicht mehr stehen.

Meine Zeitpunkte verkrümmen sich, doch die langersehnte Erlösung aus der Langeweile der Zwischenzeit kommt einfach nicht. Letztendlich ist sie vorbeigegangen. Die Zwischenzeit. Der Zeitpunkt hat punktuell mein Hirn angeregt, mich wach gemacht und nun ist er vorrüber. Meine Denkmaschine schaltet wieder in den Schlummermodus.

 

Eine Neue Zwischenzeit, steht zur Belustigung bereit. Sie hat sich neu eingenistet. Ist sie es wert vertrieben zu werden? Für kurze Augenblicke der parziellen Heldenhaftigkeit? Für kurzbemessene Zeitabschnitte voller einsamer Zweisamkeit.

Allein zwischen den Zwischenzeiten liegen zwei Zeitpunkte. Ineinander verschlungen und am Ende verschlungen vom Zwischenzeitmonster. Daraus entsteht ein knallendes Blitzgewitter, das man auch Leben nennt.

 

Die Tauben von Berlin

warten.früh.morgens
warten.mitte.nachmittags

hab keine Whatsappgruppen zu checken
.keine mails zu lesen.
keine Fingernägel abzukauen
.keine Schuhe zu bestarren.
Ich hab keinen Fehrnseher zu beglotzen
Ich hab keine Werbetafeln anzurotzen
.ich hab keine Menschen anzuschmachten.

Ick hab quasie nix zu tun.

Und desshalb schalte ich das beste Programm ein, dass im Bahnhofs-TV läuft.
Tauben –
tag und nacht.
Flatternd-flüchtig,
neugierig-hüpfend
schreckerfüllt-zurückzuckend
So nehmen sie die Aufgabe der Vertreibung der Langeweile aus den Gedanken der unkreativen, unsozialen Bevölkerungsschicht auf sich.

Und weil ich diese, eine, beste Unterhaltung schon seit Jahren genieße, hatte ich kein Problem damit, als sich ein Pärchen dieser beflügelten Dreckmacher auf meinem Balkon eingenistet hat.
Ja, sie stehen früh auf und sind den lieben langen Tag am kreischen und flattern, um ihren Nachkommen ein nettes Zuhause zu bereiten. Aber sie fliehen doch auch nur vor Stacheldraht auf Sitzstangen und Stahldachstreben.
Also warum ihnen nicht eine Brutstelle geben?

Auf die Zukünftigen Berliner Stadtvögel, die Dreck und Lachen und alte Taubenvergifter glücklich machen.

AG-Stadttauben-Steele
Foto: Tauben aus Essen. Von „derwesten.de“

Die Angst eines Zuvieldenkers

Ich habe Angst,
dass ich irgendwann nur noch in Zitaten spreche.
Dass ich irgendwann nicht mehr Ichselbst bin,
sondern nur noch meine Helden imitiere.

Ich habe Angst,
dass ich mich in den Geschichten vergesse und dann in einer grauen Welt
schonwieder
erwachen muss.

Ich habe Angst,
dass ich irgendwann nur noch ein Dublikat meiner selbst bin.
Und dann natürlich nicht mehr ich.

Ich habe Angst,
dass ich nur die Idee eines anderen bin.
Oder eine Protagonistin vom bekanntesten Showmaster ever:
Gott
Ich habe Angst,
dass ich irgendwann Ideen habe,
die nicht mehr meine sind,
sondern nur noch ungekennzeichnete Zitate.

Ich habe Angst
vor der Zukunft,
damit auch vor Vergangenheit,
weil Jetzt aus der Zukunft wurde und sich
in Eben-gerade
verwandelte.
DA! Schon wieder! hast du es bemerkt?

______________________

Wenn ich nicht mehr ich bin, wer nimmt dann meinen Platz ein?
Glaubst du wirklich du wärst wichtig genug, als das jemand dich ersetzen müsste?