Frühling im Herbst

Es ist wunderschön wieder hier zu sein. (Berlin) Nicht nur, aber auch wegen der Menschen, ein großer Teil, des guten macht aber einfach der Ort aus. Ich bin so glücklich wieder in Berlin zu sein, zu Hause, und all die kleinen Dinge wiederzusehen, die ich schon ganz vergessen hatte, an die ich einfach nicht gedacht habe, in den letzten drei ein halb Monaten.

Es ist schön hier zu sein und es ist tatsächlich auch ein schöner Herbst, oder?
In den letzten Tagen, an einem Fluss in Rumänien konnte man die Bäume an der anderen Seite des Tals sehen und wie die Sonne beim Aufgehen sie hat glitzern lassen.
Es ist schön, sich oft gut „grundlos“ gut zu fühlen. Einfach, weil es bunt beblätterte Bäume gibt und einen klaren Fluss und Matsch. Schön, weil es schön ist.

Gut, dass ich weg war- gut, dass ich jetzt wieder hier bin.

Aber auch anstrengend.
Die letzte Zeit hatte ich nur mit mir zu tun und habe kaum mal was gemacht, jetzt renne ich den Tag lang rum, überall sind Menschen, die alle ihr eigenes Leben, ihren kompletten Zeitstrahl erleben und denken.
Und ich habe sofort vielleicht ein Zimmer, in Neukölln, was halt ein Traum wäre. Schon wieder Glückglückglück. Und vielleicht mache ich ein Praktikum am Brechtheater?
Es ist halt viel Großes, was passiert und ich behalte meinen Kopf nicht, ich kann nicht in alle Richtungen gleichzeitig gucken und alles sehen, was ich wichtig finde. Zumindest kann ich es nicht und dabei mein Hochgefühl nicht verlieren.

Denn heute wurde mir plötzlich mitten im Herumrennen klar, dass ich ganz, sehr schnell zurückschnappen kann.
Es kann sich plötzlich alles Scheiße anfühlen, denn wie ich weiß, haben Gefühle bei mir nicht so sehr viel mit Ereignissen zu tun, sondern mit was anderem Unbekannten. Unter all den Dingen, die sich hier so vertraut anfühlen, gibt es auch Stacheln.
Mir wurde klar, dass ich eben ein bisschen vorsichtig sein muss, besonders am Anfang. Besonders jetzt. Es passiert viel, das ist gut.

Sei vorsichtig. Und hör auf so zu rennen. (Vielleicht fühle ich mich einfach nicht ausgelastet, weil der Riesenrucksack weg ist?)
Dann denke wieder an die Stecknadeln, die so weit voneinander entfernt sind, aber versuch mal langsam zu denken und an einem Punkt zu bleiben, anstatt alle auf einmal im Blick behalten zu wollen.

Wohnung und Hund und Freunde 1,2,3 und Telefon und Gefühl und Aufgabe 1,2,3,4.

Aber das geht schon.
Ich versuche eins nach dem anderen.
Ich will das alles. Wirklich, es ist nur sehr schnell und auf und übereinander. Aber einzeln finde ich die Baustellen gut!
Also jetzt passieren erstmal Sachen, dann kümmere ich mich ums verarbeiten und aufschreiben all der Dinge, die in meiner Zwischenzeit bis Jetzt passiert sind.

Wenn es wieder langweilig wird.

ein neues Nachher pt.B

Früher. Bei mir. Bei Mama, zuhause hab ich auf den Startschuss gewartet. Ich glaube er ist gefallen. Oder ich bin einfach so losgelaufen. Aber rennen tu ich auf jeden fall-.
Ich hab die Star-klappe geklaut, die immer die Kinder kriegen, die nicht mitmachen und sie selbst zusammengeschlagen.

Ich renne.

Mir ist kalt und ich weiß nicht, wo ich anhalten kann. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt etwas gegessen habe. Aber ich weiß, dass zuhause nichts mehr ist.
Es gibt kein zuhause mehr.
Es ist weg. Nein, nur verlegt. Ich bin zuhause. Ich schreibe. Ich paradoxiere.

Die besten Texte schreib ich, wenn es mir nicht gut geht.

Mir geht es nicht gut. Ich renne. Und habe nie gelernt, wie man tief Luft holt. Ich habe noch nicht gelernt, wann und wo ich mich ausruhen kann.
Ich habe nicht gelernt auf meinen Körper zu hören. Er verpasst mir juckende, schuppige Hände und Kniekehlen, um mir zu sagen, dass er nicht mehr kann. Mein Nacken tut weh, ich krieg Kopfschmerzen. Und Nasenbluten.
Aber es geht mir doch gut, oder?
Klar. Klar geht’s mir gut, ehrlich!

Ich habe eine Familie. Ich habe genug Geld. Ich habe Klamotten. Ich habe ein Gesicht, dass ich dazu bringen kann ansehnlich auszusehen. Ich habe einen Kopf, dem Gedanken entspringen können.

Mir geht es gut. Mir geht es gut. Muss ja. Oder?

so viele – einzelne – Problemuniversen

Mittwochnacht:

Ich sage mir, ich muss diese Gedanken aufschreiben, die hab ich nie wieder.

Aber es ist so viel, so ungeordnet. Ich muss so viel entscheiden. Es ist gar nicht so viel, du lügst! aber so unsortiert. Ich sollte aufhören zu lügen. Das war doch schonmal weniger. Ich bin wirkliche kein ordentlicher Mensch, aber es ist alles so… es ist so durcheinander. Die Dinge, die ich tun muss stehen in keiner Beziehung zueinander. Sie sind alle wichtig und alle in komplett unterschiedlichen Universen.
In jedem gelten andere Regeln und ich muss mich überall anders verhalten.
Alle verlangen ein anderes ich.

Ich sage mir, schreib doch darüber! Vielleicht rückt sich dann alles zurecht.

Aber dafür ist doch keine Zeit! Ich muss doch noch mindestens zwei Kliniken anrufen und entscheiden, wo ich am Donnerstag um 17 Uhr bin und meiner Schwester beistehen und einkaufen und die Abstände dazwischen überwältigen soll ich mein Fahrrad mitnehmen? und ich muss doch immer wieder zwischendurch atmen, sonst bin ich später nicht entspannt genug für die Fahrschule und außerdem will ich mich nicht stressen lassen, von so einfachen Sachen. Und Hausaufgaben. Vor Donnerstag. Und den Text fertig machen. Vor Donnerstag. Und noch was…- irgendwas mit Herz-… für die Schule schreiben. Ich brauche diese eins auf dem Zeugnis. Aber erstmal Donnerstag. Nein, erstmal morgen… Mittwoch?

Und vielleicht sollte ich mal anfangen die Wahrheit zu erzählen.
Aber…. ich …. aber..
Ich habe Angst.

Ich traue mich nicht. Ich bin nicht mutig genug zu sagen, …
Sie würden mich nicht verstoßen.
Sie würden mir aber auch nicht glauben, dass ich es allein geschafft habe.
Sie würden versuchen, mir zu helfen, das würde einen Rückfall begünstigen.

Am einfachsten wäre es, sie würden mit einem -ich weiß?! Das war doch offensichtlich- antworten.

 

Aber das werden sie nicht.

Sie wissen es nicht, ich bin zu gut im Lügen. Seit drei Jahren.

Ich will meine Mutter nicht zum Weinen bringen. Nicht meinen Vater. Nicht meine Schwestern. nein,

ich habe keine Rechtfertigung. Ich habe keinen Grund. Ich habe nur Angst und Unsicherheit und zu viel in meinem Kopf.
Ein Wunder, dass ich nicht wieder anfange. Doch das werde ich nicht!

Ich werde nicht wieder anfangen.
Schreien und Blutfarbe an die Wand spladdern und boxen und reißen und beißen. Das ist okay.

Aber nicht

ritzen.

VERDAMMT SPRICH ES AUS!

 

Ich muss das mit jemandem Durchsprechen, aber alle die davon wissen- kann ich nicht damit belasten. Es ist alles so unwichtig. Alles so unnötig. Alles son Kleinscheiß. Überschattet von diesen Linien.
Und ich will Käfer nicht noch mehr aufbürden, als er sowieso schon trägt.

Das ist der falsche Ansatz, oder? Menschen, die einem wichtig sind, schützen zu wollen, indem man ihnen nicht von den eigenen Problemen erzählt… Indem man sie belügt.

Ich muss das mit jemandem durchsprechen.
Wenn ich Zeit habe.