Straßenmann Kapitel 1 •Magret•

Ein schmaler Lichtstrahl schleicht sich durch die Wellblechplatte, die zum Dach umfunktioniert wurde. Die Wellblechpappenplatte ist nicht das einzige an diesem Haus, das nicht besonders geeignet für den Hausbau scheint. Glasplatten reihen sich an stümperhaft zusammengenagelte Bretter, Dreck und Abfall sind in Ritzen gestopft um Regen abzuhalten. Das ganze wird mit Klebeband, Schnur und Wasauchimmergeradedawar zusammengehalten. Eigentlich ist es gar kein richtiges Haus. Es ist eher eine art Unterstand, keine Bude, kein Verschlag. Im Grunde nur ein Platz, den irgendjemand versucht hat trocken zu halten. Alles in allem ist dieser Schrotthaufen nichts in dem man sich vorstellen könnte, einen Menschen zu finden, der diesen Ort als sein Heim betrachtet. Doch genau das ist natürlich der Fall. Am Ende einer langen dunklen Gasse, in einer großen Britischen Stadt sitzt eine kleine verhutzelte Seele in einem alten Ohrensessel. Bei nährerem hinsehen erkennt man, dass sie wohl als Mädchen geboren wurde, doch jetzt macht es kein Unterschied mehr, ob sie mal Frau oder Mann war, sie hat die Eigenschaften des Staubes und der Stadt angenommen. Sie blinzelt in den grauen Morgen, und freut sich ein wenig über das bisschen Licht, dass durch ihren Regen-, Sonne-, oder Hitzeschutz-haufen dringt und ihren geliebten Sessel bescheint.Weiterlesen »

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einsamer, reicher Straßenmann •Einleitung•

Einleitung

Auf einer einsamen Straße, inmitten von Nebel und grau stand stehts ein alter Mann. Er sah trostlos aus, aber in seinen Augen glitzerte das Glück.
Die Leute fragten sich manchmal, was er dort tat, wenn sie ihn in schmalen Gassen stehen sahen, oder der Nebel um ihn herum waberte. Er trug immer diesen langen Mantel, und er hatte eine lederne Tasche bei sich. Doch er verschwand sofort wieder aus den Gedanken, der Menschen, die ihn sahen.

Dieser Mann ist immer allein, er wurde nie mit Familie oder Kindern gesehen, er scheint keine Freunde zu haben und nie kauft er etwas. Er steht nur manchmal in verlassenen Gassen, in kleinen Dörfern oder in großen Städten. Er steht da und sieht wunderlich aus. Er sieht sich die Fassaden an. Die der Häuser und die der Menschen. Manchmal streicht er über die Wände, oder er bricht ein Stück losen Putz ab. Er betrachtet den Himmel, atmet den Geruch und die Atmosphere. Die Geräusche um ihn sind niemals die selben. Und er liebt es.
Er spricht dabei oft scheinbar mit sich selbst, und flüstert den Wänden leise Worte zwischen die Steine. Die Leute wundern sich nur über diesen alten Mann, der so einsam wirkt und so allein, so traurig und verbittert.
Aber so ungewöhnlich er auch war. Sogar er hatte ein Zuhause, einen Ort, an den er zurückkehrte. Als der Mann immer älter wurde, immer länger lebte und über viele Jahre hinweg keiner Krankheit unterlag setzte er sich zur Ruhe. Er reiste zwar immernoch zu vielen Orten und besah sich die Welt, aber sein Anwesen hatte er in der Nähe eines kleinen Dorfes, dass in einem trüben Tal lag und schon seit Ewigkeiten den Umständen trotzte, viele Brände hinter sich hatte und von den Menschen immer wieder aufgebaut wurde.
Einmal stand er in der Nähe eines Marktes, als eine Frau, die Äpfel verkaufte ihm einen zum Probieren anbot. Auch sie hatte ihn schon häufiger gesehen, und sich nie sehr viel dabei gedacht, aber sein langer Mantel und seine sauberen Schuhe ließen sie Reichtum vermuten, Außerdem hatte sie gehört, er würde dieses riesige verwilderte Gelände besitzen, in dem ihre Jungs manchmal herumstromerten und Ärger suchten. Vielleicht war er ja für den Kauf von ein paar Äpfeln zu haben. Jeder mag Äpfel! Und sogar Reiche müssen essen. Sie linste hinter ihrem Stand hervor und lugte unter ihrem Hut um die Ecke. Dann ging sie um ihre Verkaufsstelle herum und fragte mit der in dieser Gegend üblichen freundlichen bestimmtheit „wenn se da noch länger rummstehn schlagen se noch wurzeln, komm se rüba zu mir unta die Plane. Da isses schön warm, un wenn se wolln könnse nen Appel probiern. Die sin janz frisch. von da letzten ernte, janich so lange her“ Er sah sie mit einem wissenden Blick an. Herablassend lächelte er. „verkaufen sie ihre Äpfel, an jemanden, der sie würdigen kann.“ Seine Augen blitzen, und die Frau huschte hinter ihre Äpfelkisten und erzählte ab heute jedem, der es hören wollte wie seltsam dieser Mann war, dass er ganz komisch gerochen hatte, dass er sie fieß angrinste und dass er wohl der letze gewesen wäre, dem sie Äpfel verkaufen würde.

Dieser Mann, der nie einkaufte, mit Menschen redete oder lachte war unbestreitbar seltsam. Die Männer in diesem Dorf begründeten diesen Fakt häufig damit, ihn nie in der Dorfschänke gesehen zu haben, außerdem hatte er keine Frau.
Die Frauen mieden ihn, und in lange Diskusionen um die Fehltritte ihrer Rivalinnen berieten sie unter anderem auch, wie er wohl an so viel Geld gekommen war. In schummrigen dunklen Ecken flüsterten sie über ihn, und tauschten Theorien aus.
Vielleicht war er ein Dieb? Hatte er etwas mit diesem Überfall vor vielen Jahren zu tun, bei dem der Täter nie ausfindig gemacht wurde? Oder war er ein Sohn eines Königs aus fehrnen Landen, der eine niedere Frau heiratete und dann mit ihr abgehauen war? Aber wo war dann seine Frau? Vielleicht war er ein Mörder… Die Vermutungen und Anschuldigungen um diesen geheimnisvollen Mann, der in einem viel zu großen Haus wohnte, wurden von Mund zu Mund weitergetragen, verändert und neu erfunden.
Die Erfindung neuer Geschichten um ihn wurde zum Zeitvertreib von einem Großteil der Dorfbewohner und sie liebten es, wenn der Gedanke an ihn ihnnen einen Schauer über den Rücken jagte.

Mit einigem hatten die Leute tatsächlich recht. Er hatte einmal eine Frau gehabt, er war auch einmal reich an Geld gewesen, er hatte mal etwas gestohlen. Doch er hatte nie einen Menschen umgebracht.

Einige der erfundenen Geschichten um ihn klären auch die Frage, warum er in einem so großen Haus lebt, allein. Doch in Wahrheit ist er nicht allein. Und in Wahrheit lebt er nicht. Er hat in der tat sehr viel Geld, dessen Ursprung den Bewohnern des Dorfes immer ein Rätsel war. Er verdient es mit dem Verkauf und Besitz von Straßen. Natürlich gehören diese Straßen den jeweiligen Orten, durch die sie laufen. Trotzdem kauft er Straßen. Nicht von Städten, sondern von Menschen. Denn jede Straße gehört einem Menschen am Meisten. Der Mann bekommt also eine Nachricht, dass jemand eine antike Straße verkaufen will, reist zu ihr, sieht sie sich an und endscheidet.
Es existiert ein florierender Schwarzmarkthandel mit Straßen, der bisher weitestgehend unbekannt bleibt. Das Netzwerk erstreckt sich allerdings über die gesammte westliche Welt, schließt sowohl den Osten als auch den Süden ein und sogar im Norden, wo die Straßen sich im Schnee verlaufen wird noch mit ihnen gehandelt. Auch wenn es dann eher Trampelpfade sind, die natürlich einen viel geringeren Wert haben, als zum Beispiel der Sunset Boulevard in der Stadt der Engel. Doch solch große Staßen standen wie erwähnt nicht im Interesse des alten Mannes.
Wenn er Straßen kauft,  verlangt er kein Geld für das durchqueren der Straße. Es interessiert ihn nicht wo sie liegt. Ob in einem warmen Teil Italiens, oder am Rande des Polarkreises. Er hat nur ein Kriterium, dass erfüllt sein muss. Sie muss abgelegen sein, aber an Menschen drumm herum darf es auch nicht mangeln. Er sucht Abkürzungen, und Wege, die zwischen sich fast berührenden Häusern hindurchführen. Ohne Marktschreier und ohne viel Verkehr. Er hatte in seinem Leben nur einmal eine Hauptstraßen erworben, und dass war sein größter Fehltritt. Er tat es um einem Mädchen zu imponieren, am Ende starben dabei sehr viele Menschen und sie brannte mit einem Koch durch.
Auf diesen Tramplepfaden entsteht und findet man dass, womit der Mann wirklich handelt.
Er verkauft, behütet und kreiert Geheimnisse, Gerüchte, Vorurteile, und Wünsche. Er kann all die Menschen kontrollieren, die schmal genug sind, um seine Wege zu gehen.

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