Prag 2 *Eisessengehen*

Prag 2

Eis essen. Das war mein heutiges Ziel. Einfach nur Eis essen.
Doch zuerst musste ich aufstehen, was wirklich nicht besonders einfach war, da gestern Nacht nach dem gestrigen Bericht noch nicht vorbei war. Wir flochten Plastikschnüre in die Haare von Mitmenschen (die mehr oder weniger schlafend oder bekifft waren) und lachten über alles und jeden, ohne einem Gramm THC im Blut, also na ja, vermutlich.
Die besagten Mitmenschen schliefen dann auch in unserem Zimmer, weil ihre Mitbewohner längst in der REM Phase ihrer Schlafzyklen waren, folglich Klopfen überhörten, Brüllen mit schnarchten übertönten und im Allgemeinen keinerlei Anstalten machten, die Tür von innen zu öffnen.
Also schlief einer der zwei beiden im Doppelstockbett unter mir, der andere auf dem Fußboden, was mir dann schon etwas leid tat. Ich gab ihm mein Kopfkissen.

Nach einem Frühstück, das hauptsächlich aus Warteschlangen bestand, fand ich mich am Sammelpunkt „unten, vor der Tür“ ein. 20 Minuten später als geplant liefen wir zum Bus, fuhren wir in die Innenstadt, begannen wir unsere Stadtrundführung.
Die war echt schön, denn Prag ist im Grunde genommen alt und das ist meiner Meinung nach sowohl das interessanteste, als auch das bemerkenswerteste Attribut dieser Stadt.
Wusstest du, das die Seidenstraße (in/von/nach) China auch (durch/nach) Prag führte? Deshalb waren immer fremdländische Handwerker und Kaufleute auf den Straßen des Praha von früher unterwegs, und Prag wurde diese niedliche Mischstadt aus ungefähr allem, was Europa an Kultur zu bieten hat.
Wir kamen unter anderem an einer Mauer vorbei, an der jeder fanatische Touri sich verewigen konnte. Wir unterschrieben fast alle. Ich ließ auch den Namen „Sonneplus“ da. Dieses ..Wort.. ist mir inzwischen wichtiger geworden, als anfänglich geplant.
Unsere Erzählerin erklärte mir am Schluss unseres Rundganges auch, wo ich einen Geldautomaten finden konnte, das war wichtig um mein Ziel des Tages zu erreichen. Geld.
Mehrmals versuchte ich den Automaten dazu zu überreden, mir ein paar Scheine auszuspucken, das funktionierte allerdings nicht. Er gab mir gar nichts. Keine einzige lausige Krone druckte er mir. Die Automaten hatten sich gegen mich verschworen.

Nein, eigentlich nicht. Ich war nur zu blöd.
Also tauschte ich meine letzten Euronen in Kronen und kaufte mir genervt eins von diesen Eisdingern, die mit Teig ummantelt sind. War gut. Die anderen waren dann irgendwo und ich genoss mein „alleinsein“. Immer mit Menschen unterwegs zu sein und Sachen zu machen und ständig zu kommunizieren ist absolut nicht mein Ding, das kann ich 24/5 einfach nicht. Also ja, ich war glücklich über die unglückliche Trennung von Mir und Den Anderen.

Nachdem ich mich komplett mit Eis und Teigzeug vollgeschmiert hatte und der Trompeten- (Klarinetten? Saxophon?) -Spieler sein Instrument eingepackt hatte fuhr ich „nach Hause“ und dort war auch noch niemand, an sich sehr angenehm.
Ich kaufte in der Lobby ein Paper blank, weil es so spottbillig war, im Vergleich zu allen, die ich in Berlin gekauft hatte und, weil ich immer mal wieder meine Bücher vollgeschreibe. Weise Voraussicht und Sparsucht, trieben mich zum Konsum.

Abends fuhr die Gruppe dann auf einen Berg, mit einer „Seilbahn“ die im Grunde genommen so aussah, wie ein Bus, der etwas schräg an den Berg rangebaut wurde und jetzt immer hochgezogen und heruntergelassen wird. Vorher kauften wir Zeug ein, zum Picknicken. Ich versuchte möglichst wenig Geld auszugeben, aus Gründen der Unfähigkeit welches abzuheben. Ich lieh mir Kopfhörer und war wieder in meiner Musik allein, ich glaub ich hab eine Art overload an Menschenkontakten in letzter Zeit.
Das Picknick war schön, aber der Rückweg war schöner.( Ich bin einen Abhang Runtergerollt). Danach war mir schwindelig und ich hab jetzt ein paar Schrammen, aber das wars wert.

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Schweißverschwörung

Heute war der erste richtig warme Tag.
Aufgefallen ist mir das nicht, weil mir im allgemeinem warm war, weil mir der Schweiß in Strömen den Rücken herunter floss, oder weil ich mir etwas ausziehen musste.
Dass heute der erste  so richtig warme Tag war, wurde mir erst später klar.
Und zwar ganau als ich mich in der Nachhause-Bahn an Leiber drückte, denen warm war, von denen der Schweis floss und die schon jede erdenkliche, gesellschaftlich geradenochso akzeptierte Körperstelle frei gemacht hatten, um die gröstmögliche Transpirationsfläche zu bieten. Die Schwitzer (im Sinne von Schweiß, nicht Schweiz) begrüßten jedes Lüftchen, dass ihre schmierige aalglatte Haut umschmeichelte, mit einem Seufzer.
Durch dieses in-sich-zusammensacken-vor-wonne und hinterher-wieder-aufrichten wurden alle Leute Schweißbrüder und gleichnass und ähnlich duftend.
So wurde ich erfolgreich in den Kreis der angeschmierten aufgenommen.
Irgendwann, als ich genauso triefend wie Nebenmann und Vorderfrau war, wurde mir klar, dass vermutlich nur eine Person schwitzte, die sich ausgerechnet im Zentrum der S-Bahn befand und jede Person um sie herum nicht seinen eigenen Schweiß ausfloss, und mit den Wassern der anderen mischte, sondern wir alle nur den Schweiß dieses einen Individuums weiterleiteten. Deshalb rochen alle gleich und sahen alle so aus, als wären sie bestimmt nicht schuld an dieser Feutigkeitsflut! Das Schweißtreibende Individuum, quasie der Herr aller Überschwemmungen musste sich nicht mal mehr zwingend in dieser Bahn befinden!
Er hätte einfach seiner Wege gehen können und wir ahnungslosen Normalos würden noch ewig seine Wasser zwischen unsereins herumschieben und-tropfen.
Schon wollte ich mich hektisch in Richtung Türen quetschen, um die Menschen vor einer drohenden Katastrophe zu schützen, als ein leises Lüftchen meinen Nacken streichelte und mich zum ganz sanft und anschmiegsam kühl zum bleiben bewegte…

*Seuftz*