Stille

Schon wieder ersticke ich in Stille.
Meine Kreativität wird erstickt.
Meine Gedanken lassen sich nicht greifen.

Ich komme um vor Stille.
Ich komme um.

 

Und es tut mir ein bisschen Leid, dass dieser Ort mich so einnimmt,
und ich so viele Worte darüber verlieren muss.

Weil ich meine Worte lieber ganz woanders verlieren würde.
Und das ist das Ding. Das Top-Thema gerade. Macht überall Schlagzeilen. Alle kleinen Gedankenredakteure machen sich Notizen.

Woanders.

„Niemand hätte es gedacht“ – „Alle sind geschockt!!!“ – „Wie kann sie das nur tun???“

etc.

Nach Ostern. Zur Auferstehung Jesu stehe auch ich wieder auf.
Mach mich auf.
Packe meine Sachen wieder in Kisten.

Wenns sein muss ziehe ich in den ach-so-schöne-Erinnerungen-Garten.
Wenns sein muss in eine Gartenlaube ohne Internet und Wasserklo. Wenns sein muss in den Djungel nach Papua-Neuguinea.

Da verdurste ich vielleicht, oder werde gefressen. Aber ich werde frei sein.
Und diene vielleicht sogar einem hungrigen Jaguar als Mahlzeit.
Gibt es in Papua-Neuguinea Jaguare? Also die Tiere, nicht die Autos. Auch wenn letzteres natürlich ebenfalls interessant sein könnte…

Mein Kopf wird also frei sein, meine Gedanken an Lianen schwingen und sich miteinander verknoten bis ich Stimmen in meinem Kopf höre, und mir ein zweiter wachsen muss, weil der andere sonst platzt.
Mein alter Kopf würde sich dann wieder Gedanken über Integralrechnung und Obdachlosigkeit machen, über das für und wider und die Praktizierung des Kapitalismus, oder Körpergewicht und gesunde, ökologische Ernährung.
Der Djungelkopf könnte sich dann zum Beispiel über die politische Korrektheit der Geschlechtsbezeichnungen von Wellensittichen Gedanken machen. Wenn er denn wöllte.

Nur so als Vorschlag.

______________

Meine Mutter- ist natürlich überhaupt nicht pleased. Aber sie wird mich unterstützen. Und dafür bin ich ihr unglaublich dankbar. Dass sie es fertig bringt, mir entgegen ihren eigenen Wünschen und entgegen besserem Wissen zu helfen. Danke Mama. Ich hoffe du musst das hier nie lesen. The only child, that was willing to stay with her macht sich nun aus dem Staube. Nur, weil die außeren Umstände sein innerstes mit einem trockenen Sand-staub-Sturm slowly auskratzen.

Das ist eigentlich garkein so schlechter Vergleich. Dieser Ort ist wie ein giftiger Sandsturm, ich bin ein Mensch mit einer dünnen Hülle aus Granit und einem Innenleben, wie das Wunderland. Bisher habe ich Regenperioden getrotzt und bin unversehrt von Klippen gestürzt. Ich bin erfroren und wieder aufgetaut. Ich wurde ins Feuer geschmissen und konnte fliegen, getragen von dünner Luft, Liebe, Hass und großen Träumen.

Ich konnte mich irgendwie durch alles hindurchwursteln.

Jetzt stehe ich in diesem Sturm. Ich sehe nichts. Kann meine Lapislazulilider kaum bewegen. Schon verfangen sich Körnchen zwischen Oberlid und Augapfel. Schon verkrustet meine Sicht.
Ich kann die kleinen Dinge nicht mehr sehen.
Langsam wäscht der Sand den Stein fort. All die kleinen Körner tragen winzige Staubfäden ab. Schon bilden sich hauchdünne Risse. Dringen in mich ein, bilden größere Löcher.
Da ist ein Loch in meiner Brust.
Es windet sich ein Sandwurm hinurch.
Er frisst.

Der Sand ist überall, verseucht mich.
Meine Phantasie, meine Traume, meine Intensität nimmt ab.
Versandet.

Ich versinke und werde selbst zu Sand.

Bis ich
letztendlich
nichts mehr
spüre.
Nichts mehr fühle.
Und dann.
Nichts mehr von mir übrig ist.

 

Eine an depression Erkrankte sagte mal „ich wünschte, ich würde morgens aufwachen, und mir würde es so richtig scheiße gehen“

Weil sie nichts mehr empfand. Und das ist das Schlimmste.

Manchmal wünsche ich mir alles auszuschalten. Aber nicht für immer. Ruhe ist gut, aber nicht für eineinhalb Jahre. Zwei Monate- und ich komm um.

Ich komm um.

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