ein neues Nachher pt.A

Ich habe nie gelernt stehen zu bleiben, weil ich mich nie bewegt habe. Wie ein Krokodil lag ich in einer deliziösen Hühnersuppe, die meine Mama gekocht hat und depressierte über mein unereignissreiches Leben.

Jetzt renne ich seit einem Monat. Ununterbrochen. Ich renne vom Bett zur Schule, zu Veranstaltungen, die andere WICHTIG finden und zu Leuten, die ich mag. Ich überspringe Todeslinien und versuche vor dem Igel meine Runden für die eins zu laufen, aber er lacht mich aus und ruft „HAHA ich bin besser als du, schneller, stärker, schöner, und vor allem entspannter!“

Zwischendurch buche ich meine Züge und schiebe Geld von meinem Konto in die Kassen von großen pseudoBio-Supermarktketten und irgendwann auch mal meinen Hintern ins Bett. Eine Collage an Krams.

Zur Entmethapherisierung: ich bin ausgezogen. Aus dem Nest gefallen. Ans Licht gekrochen, als der Bau hinter mir zusammenfiel. Oder, als ich es nicht mehr in diesem Zustand des Wartens aushielt.
In eine Wohnung, in der eigentlich Leute wohnen, die sich jetzt und für immer nach Australien verzogen haben. Die Aufenthaltsgebühr bezahle ich bar. Einer Dame, die zwei Stockwerke über mir, auf der anderen Seite wohnt und einen Sohn hat, der im anderen Zimmer, quer über dem Flur, auf meiner Etage wohnt. Er ist so alt wie ich. Die Mutter kommt manchmal vorbei und ist ganz begeistert von mir, weil ich nett und stubenrein bin. Sie krittelt gerne an ihrem Sohn herum. Aber wenn sie die Regeln unseres Zusammenlebens festlegt, warum sollen wir diese dann befolgen? Wir tuns nicht. Wir reden auch nicht. Ich mag seine Freundin. Sie ist sehr schön. Wenns mir zu unangenehm wird und das Klo wie eine Autobahnraststätte riecht, dann sag ich schon was, aber im Grunde genommen, kommen wir ohne Kommunikation aus.

Im April bin ich angekommen.

Im April sind dann auch die Kontaktanfragen verschiedenster homo Sapiens exponentiell gestiegen. Viele wollten was machen, mit mir.

Und ich hab immer wieder ja gesagt. Früher hätte ich das nicht. Das ist neu.

Ich mach eigentlich nichts mit Menschen. Ich guck eigentlich Serien in meinem Zimmer. Ich male eigentlich Gedanken an meine Wände. Ich schreibe eigentlich seltsame Texte für mich, das Internet oder Schülerzeitungen.
Ich gehe eigentlich nicht raus. Ich trage eigentlich komische Kleidung und höre Musik. Eigentlich bin ich ein depressives, Ich-fokussiertes anaerob lebendes Weichtier. Ohne Bedürfnisse nach menschlicher Nähe. Vielleicht existiert sie auch noch, aber eigentlich stirbt sie in einer versteckten Dachkammer meines ersten Zuhauses.

Und jetzt sitz ich nachts mit kiffenden Punks auf nem Piratenschiff und höre sie über humanitären Anarchismus debattieren. Krass. In diesem Monat sind so circa 2 Jahre Veränderung von statten gegangen. April 2017. Werd ich nicht vergessen. Der Monat, der so lang wie zwei Jahre war.

Letztes Wochenende bin ich in ner 5 Stunden entferten Stadt gewesen, um auf ein Konzert zu gehen – und meine Schwester zu sehen. Nächstes Wochenende dann in einer stadt am Meer – Um Mathe zu lernen.

Was ist nur geschehen? Wenn man mich jetzt fragt, was ich dieses Wochenende tue, hab ich doch tatsächlich was zu erzählen! Eigentlich mach ich doch nichts, hab nichts vor. Eigentlich ist es ein Highlight des Monats, wenn ich mir Kaugummis kaufen gehe. Oder nen Starbuckskakao.

Was soll nur aus mir werden?? Etwa ein soziales Wesen mit… Freunden? Dass keine Zeit für rumgammeln vorm Pc hat? Dass die Schule vernachlässigt, weil ihm andere Sachen wichtiger sind? Als Nächstes ziehe ich mich Systemkritisch-konform an und höre auf zu schreiben. Ich lege meinen Antialkoholismus ab und erzähl fremden Menschen aus meinem Leben. Und als Abschluss des Anfangs hab ich dann regelmäßig Sex und ende in einer Langzeitbeziehung.

Na herzlichen Glückwunsch.
Ich glaub ich werde erwachsen – oder was?!

Als Krönung lerne ich dann noch, wie ich anhalte. Wie ich aufhöre von einer Erinnerung zur nächsten zu rennen. Ich lerne, wie ich meine Gedanken kontrolliere und durchatme. Wie ich meinen Kram erledige, mir essen mache und Geld überweise. Mein Körper bekommt eine Stimme, die ich angenehm wahrnehmen kann und ich höre auf zu paradoxieren. Ich höre auf irrationalen Schmerz zu verspüren. Von Leuten, die im Krieg sterben und von Bomben zerrissen werden. Ich werde mir des Leidens unbewusst und kann mich davon distanzieren. Ich lache dann nicht mehr ohne Grund und ohne Wille. Ich werde nicht mehr sein.

Natürlich ist die Veränderung permanent, auch die, des Ichs. Aber Dashier… das endet in einem neuen Bruch. Es ist bereits ein neues Nachher.

Mir wird der Grund zu schreiben abhandenkommen. Wenn ich nicht aufpasse, werd ich lanzeitglücklich.

Mein Leben wird zum Ponyhof.
Mit all den normalen Ponyhofpoblemen.

Was davon will ich?

Regenbögen…
~*Plus

Was will ich damit sagen?
Nichts, ich will gar nichts sagen. Ich laber nur. Ich denke nur schreibend.

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